Dienstag, 4. September 2018

So lernt dein Kind teilen


Kennst du das auch?
Teilen lernen ist ein Prozess und sehr schwierig für Kinder.
Oft liegt das Spielzeug unbeachtet herum,
bis sich ein anderes Kind dafür interessiert....
Du bist mit deinem Kind auf dem Spielplatz, du hast das Sandspielzeug ausgebreitet und dein Kind spielt vertieft mit ein paar Förmchen. Der Rest liegt unbeachtet rum, bis ein anderes Kind anfängt sich dafür zu interessieren.
Plötzlich werden die vorher uninteressanten Spielzeuge ungeheuer wichtig für dein Kind. Teilen und etwas von den Spielsachen abgeben, das möchte dein Kind auf gar keinen Fall. Laut und ruppig wird das Hab und Gut verteidigt.  "Das ist meins!"

Vielen Eltern ist diese Situation unangenehm, ganz besonders, wenn das Kind, welches gerne ein Spielzeug gehabt hätte, auch noch anfängt zu weinen. Wie schön wäre es, wenn dein Kind freundlich reagieren und ein Buddelförmchen abgeben würde, schließlich lebt ihr eurem Kind das doch vor!
Kinder sollen lernen zu teilen.


Wie soll man sich also verhalten?


Vielleicht gehst du in dieser Situation dazwischen und versuchst dein Kind zum Teilen zu bewegen.
"Du hast doch so viele Sandspielzeuge, mit denen kannst du doch gar nicht gleichzeitig spielen. Bitte gib ein Förmchen ab. Schau mal, das Kind ist ganz traurig und weint."

So würden die meisten Eltern reagieren und das ist verständlich, denn die Situation ist unangenehm und die Erwachsenen möchten wieder Harmonie herstellen .
Tatsächlich ist diese Reaktion aber weder hilfreich, noch angebracht, denn sie fördert bei deinem Kind nur, sich angepasst zu verhalten, nicht aber die Fähigkeit, zu einer Entscheidung zu gelangen und diese auch vertreten zu können. 



Wie Kinder teilen lernen


Anderthalbjährige Kinder empfinden ihre Spielsachen fast wie einen Teil ihrer selbst. Sie gehören zu ihnen, so wie der Arm oder die Nase. "Das ist Meins!"
Teilen und Abwechseln können sie noch nicht, denn sie können sich noch nicht vorstellen, dass das andere Kind das Spielzeug nicht für immer behalten wird. In ihrer Vorstellung ist das geliebte Spielzeug dann weg und diese Vorstellung führt fast immer zu einem "Nein! Das ist meins!"
Beobachtet man die Kinder in diesem Alter, hat man das Gefühl, es wäre besser, jedes Kind würde einfach für sich allein spielen, denn zusammen kommen sie von einem Kleinkrieg in den nächsten. Und das ist für alle Beteiligten anstrengend.

Doch, auch wenn es nicht so aussieht, die Kinder profitieren enorm von diesen Begegnungen! Denn sie lernen hier, sich zu behaupten, eine Entscheidung zu treffen und für sie einzustehen. Und sie lernen, wie es sich anfühlt, wenn man selbst ein Spielzeug heiß begehrt, ein anderes Kind aber nicht teilen möchte. Das ist wichtig, denn so lernen Kinder, wie sich bestimmte Situationen anfühlen. Nur so können sie Mitgefühl entwickeln.
Sich aus diesem Mitgefühl heraus in andere hineinzuversetzen und von allein und mit gutem Gefühl zu teilen, das kann dein Kind kognitiv mit 3 bis 4 Jahren. Es kann sich nun vorstellen, wie es ist, wenn man traurig ist. In diesem Alter wird dein Kind bereit sein auch manchmal ein Spielzeug herzugeben.





Wie du das Teilen bei deinem Kind fördern kannst


Du solltest dein Kind nicht zum Teilen anhalten, denn dadurch lernt es sicher nicht, dass Teilen Spaß machen kann. Es lernt lediglich, sich so zu verhalten, wie es von ihm erwartet wird.
Versuche die Situation eher zu beschreiben und ihr einen Rahmen zu geben, statt sie komplett zu übernehmen.
"Schau mal, Lisa würde auch gerne mit dem Sandspielzeug spielen. Vielleicht kannst du ihr ein Förmchen abgeben?" Dein Kind soll zu einer eigenen Entscheidung finden können.
Das heißt auch, dass es möglicherweise eine Entscheidung ist, die nicht dem entspricht, was du dir erhofft hast. Es liegt dann in deiner Verantwortung, das auszuhalten und dein Kind trotzdem zu unterstützen. "Es ist ok, wenn du nicht teilen möchtest."
Was die Situation dann entschärfen kann ist, wenn du selbst zwei Buddelförmchen hast, die du immer mit zum Spielplatz bringst. "Lisa, du kannst gerne ein Förmchen von mir haben." So lebst du gleichzeitig das Teilen vor.

Wenn du dein Kind nicht permanent dazu anhältst, etwas von seinen Spielsachen abzugeben, kannst du vielleicht auch Folgendes beobachten: selbst kleine Kinder entwickeln oft Ideen, wie sie ihr geliebtes Spielzeug nicht hergeben müssen und trotzdem das andere Kind vielleicht wieder fröhlich stimmen können. Sie bieten ihm anderes Spielzeug an.
Oft ist dieses Spielzeug nicht so begehrt und wird vielleicht als Ersatz nicht angenommen, aber dein Kind probiert sich aus und nimmt die Gefühle des anderen Kindes war. Das ist es letztlich, worauf es ankommt.
Versuche positive Rückmeldung zu geben, wenn dein Kind etwas teilt und nicht negative, wenn es das nicht tut.

Wenn du dein Kind so aufmerksam machst:

"Schau mal, Lisa freut sich sehr, dass sie mit deinem Auto spielen kann. Wenn sie fertig ist, bringt sie es dir wieder. Wollen wir in der Zwischenzeit buddeln?" 
ist das besser als so:

"Jetzt ist Lisa aber traurig und weint, weil du schon wieder nicht teilen konntest. Dabei hast du doch so viel!"


Fazit


Sei nicht enttäuscht oder traurig, wenn dein Kind nicht teilen möchte. Es ist nicht egoistisch oder gemein, es muss das Teilen erst noch lernen und du kannst dir sicher sein, dass es allen anderen Eltern ähnlich geht 😅






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