Freitag, 10. November 2017

Wie du dein Kind vor sexuellem Missbrauch schützen kannst (2)



Der beste und wirksamste Schutz gegen Missbrauch ist, dass Erwachsene Kinder in ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Selbstwirksamkeit stärken. Und hierfür bietet der Alltag eine Vielzahl von Möglichkeiten!


Kinder mit einem gesunden Selbstwertgefühl, können sich besser Schützen oder Hilfe holen.
In meinem zweiten Post zum Thema, wie du dein Kind stark gegen sexuellen Missbrauch machen kannst, geht es um die subtilen Botschaften, die Eltern ihren Kindern in alltäglichen Situationen senden, was diese Botschaften tatsächlich vermitteln und warum Eltern sie vermeiden sollten.
Hier findest du meine ersten drei Empfehlungen, wie du dein Kind vor sexuellem Missbrauch schützen kannst







"Ich glaube, der mag dich eigentlich!"

Ein Satz, den vor allem Mädchen oft zu hören bekommen, wenn sie sich bei Erwachsenen Hilfe holen wollen, nachdem ihnen von Jungs weh getan wurde.

"___ hat mir an den Haaren gezogen!"
"Ach, der wollte dich doch nur ein bisschen necken."

"__ hat mich gehauen!"
"Das war natürlich nicht nett, aber ich glaube, der mag dich eigentlich."

" __ kommt mir immer hinterher! Das möchte ich nicht."
"Ich glaube, er möchte einfach nur mit dir spielen. Vielleicht könntest du ihn ja mitspielen lassen!"

Welche Botschaft wird Kindern so vermittelt?
Wenn mir jemand wehtut oder sich grenzüberschreitend verhält, kann es sein, dass diese Person mich mag und ihre Zuneigung durch dieses Verhalten ausdrückt. Es ist eigentlich nett gemeint und ich sollte Verständnis zeigen.

Warum ist es wichtig, dass Eltern diese Botschaft nicht an ihre Kinder senden?
Unabhängig davon, dass ich persönlich prinzipiell der Meinung bin, dass das Opfer kein Verständnis für die Beweggründe des Täters haben muss, wird hier etwas von Kindern gefordert, dass großes Gefahrenpotential mit sich bringt: Es wird erwartet, dass sie die Situation differenzieren und bewerten können.
Kinder sind hierzu noch nicht in der Lage und können deshalb in grenzüberschreitenden Situationen schnell überfordert und nicht fähig sein, sich zu wehren oder Hilfe zu holen.
"War das eigentlich nett gemeint, auch wenn es sich falsch angefühlt hat? Hätte ich mich anders verhalten müssen?"

Deshalb sollten Kinder von Anfang an lernen:
  • dass Zuneigung niemals und unter keinen Umständen etwas mit Gewalt zu tun hat
  • wenn ihnen jemand wehtut oder ihre Grenzen überschreitet, dürfen sie sich wehren! Verständnis und Mitgefühl sind hier fehl am Platz
  • ob ein Verhalten grenzüberschreitend ist, sagt ihnen allein ihr Gefühl. Auf ihr Gefühl können sie immer vertrauen




"Das war nett gemeint!“

Viele Situationen, die übergriffig sind, werden mit diesem Satz begründet. Gerne auch, wenn es um körperliche Grenzüberschreitungen geht. 
Ich bin mir sicher, dass die meisten Eltern Situationen kennen, in denen fremde Menschen ihren Kindern durch die Haare strubbeln, ihnen Süßigkeiten schenken oder ihnen ungefragt "helfen", wenn sie sich bei der Fahrt mit dem Bus versuchen festzuhalten. 
Schnell haben fremde Erwachsenen die Kinder einfach auf den Sitzplatz im Bus gesetzt, ohne vorher nachzufragen.
Das ist massiv grenzüberschreitend. Denn, wer möchte schon von fremden Menschen einfach irgendwo hin gehievt werden?
Ich kenne keinen Erwachsenen, der dies gerne mögen würde, dafür jedoch viele Eltern, die in so einer Situation mit "Danke" oder "Das war aber nett" reagieren. Oder Eltern, die einfach gar nichts sagen. 

Welche Botschaft wird Kindern so vermittelt?
Es ist ok, wenn fremde Erwachsene mich ungefragt berühren oder ansprechen, das ist komisch, denn eigentlich soll ich mich nicht ansprechen lassen. Meine Eltern zeigen mir mit ihrer Reaktion, dass das Verhalten der Fremden sehr nett war, auch wenn mich das plötzliche Hochheben irritiert hat.
Alle Erwachsenen haben mir deutlich gemacht, dass Fremde scheinbar das Recht haben, ganz selbstverständlich über mich zu bestimmen, denn sie wissen, was gut für mich ist.

Warum ist es wichtig, dass Eltern diese Botschaft nicht an ihre Kinder senden?
Wie schon gesagt, ist es für Kinder extrem schwierig zu differenzieren oder Situationen unterschiedlich zu bewerten. 
Auch wenn das Kind vielleicht wirklich ohne "Hilfe" durch den Bus gepurzelt wäre, sollten Eltern ganz klar und deutlich zeigen, dass das eingreifende Verhalten nicht erwünscht ist.
Denn Kinder können nicht überblicken, in welchen Situationen das Ansprechen oder Berühren durch fremde Erwachsene tatsächlich nett und helfend gemeint ist und in welchen Situationen diese Freundlichkeit gezielt eingesetzt wird.
Deshalb sollten Kinder erst gar nicht in die Situation gebracht werden, Verhalten von fremden Erwachsenen bewerten zu müssen. 
Die einfache und klare Regel sollte lauten: NIEMAND Fremdes darf dich ansprechen, anfassen oder dir etwas schenken. Ausnahmslos!
Und wenn du dabei bist, wenn dein Kind angesprochen oder angefasst wird, sei deinem Kind ein Vorbild und zeige ihm, wie man laut und deutlich sagt: Stopp, ich möchte das nicht!


Das war doch halb so schlimm!“

Wenn sich Kinder weh getan haben, wenn sie traurig sind und weinen, dann trösten wir Erwachsenen die Kinder und das ist gut. Niemand ist gerne alleine mit seinem Kummer. Beim Trösten sollten Eltern aber unbedingt Sätze vermeiden, die die Gefühle der Kinder nicht ernst nehmen oder sie herunterspielen.
Sätze wie "Das war doch halb so schlimm" oder "Jetzt ist aber wieder gut", sind nicht geeignet, wenn man Kinder trösten möchte.

Welche Botschaft wird Kindern so vermittelt?
Mein Gefühl und meine Wahrnehmung scheinen falsch zu liegen, denn obwohl ich sehr traurig bin oder es mir noch immer weh tut, sagt Mama, dass wieder alles gut ist. Auf mein Gefühl kann ich mich also nicht verlassen. Was "schlimm" ist können Erwachsen besser beurteilen als ich.

Warum ist es wichtig, dass Eltern diese Botschaft nicht an ihre Kinder senden?
Kinder sollen wissen, dass sie auf ihr Gefühl immer vertrauen können. Ihr Gefühl ist der einzige Parameter, der wichtig ist, um zu beurteilen, ob ihnen etwas gut tut oder nicht. Und sollte ihnen eine Berührung nicht angenehm sein oder eine Situation "komisch" erscheinen, dann ist es völlig irrelevant, ob ein anderer Mensch findet: "Das war doch nicht so schlimm!"
Kinder, die gelernt haben, auf ihre Gefühle zu vertrauen, werden sich eher Erwachsenen anvertrauen und sich Hilfe holen können.


Das waren meine drei Tipps für den Alltag, um Kinder in ihrem Selbstvertrauen zu stärken. Welche davon setzt du bereits um?




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