Samstag, 18. November 2017

So klappt die Kita Eingewöhnung!



Du stehst kurz davor, dein Kind in der Kita einzugewöhnen? Es ist vielleicht sogar das erste Mal, dass dein Kind von einer anderen Person betreut werden wird?
Du fragst dich, wie die Eingewöhnung gut funktionieren kann und wie du zu deren Gelingen beitragen kannst?
Dann ist dieser Artikel genau das Richtige für dich!
Hier erfährst du, wie du deinem Kind das Ankommen im Kindergarten erleichtert kannst.


Am ersten Tag im Kindergarten ist dein Kind einer Vielzahl von Eindrücken ausgesetzt. Das ist spannend, aber auch erschöpfend.
Nicht nur viele neue Kinder erwarten dein Kind,
sondern eine Fülle von neuen Eindrücken!

Super, dass du dich vorab hier über die Eingewöhnungszeit informierst! 
Denn, wenn du weißt, was dich erwartet, kannst du Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen.
Und das wird sich auf dein Kind übertragen. Du weißt ja, Kinder haben sehr feine Antennen!
Du kannst als vertraute Bindungsperson ganz entscheidend dazu beitragen, dass die Eingewöhnung deinem Kind ohne Stress gelingen kann!
Die Eingewöhnung wird mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Als Richtwert kannst du zwei Wochen einplanen, wobei natürlich klar ist, dass dein Kind durch sein Verhalten zeigen wird, wie viel Zeit es tatsächlich benötigt. Jedes Kind ist anders und hat sein eigenes Tempo. Es können also auch vier Wochen oder mehr werden.


Die ersten Tage

Deine Anwesenheit im Gruppenraum ist in den ersten Tagen der Eingewöhnung elementar. Du gibst deinem Kind so die Sicherheit, die es braucht, um sich an die neue Situation gewöhnen zu können. 
Dass du anwesend bist, ist Voraussetzung dafür, dass sich dein Kind interessiert und vor allem angstfrei auf Entdeckungsreise im Kindergarten begeben kann. Wann es sich trauen wird, die Kita zu erkunden und den sicheren Hafen an deiner Seite zu verlassen, ist sehr unterschiedlich und hängt sehr stark von der Persönlichkeit deines Kindes ab. Ist es eher schüchtern? Dann braucht es höchstwahrscheinlich etwas länger, als Kinder die sich sehr selbstbewusst in neuen Umgebungen bewegen.
Anfangs suchen jedoch die meisten Kinder in der Kita die Nähe ihrer vertrauten Bezugsperson und beobachten von diesem geschützten Platz aus das Geschehen. Und das ist sehr schlau! Denn so können sie die neue Umgebung und die fremden Menschen in ihr erfassen und sich ein Bild davon machen, was sie erwartet.

Zu keinem Zeitpunkt solltest du dein Kind drängen! 
Sätze wie, "Geh doch mal gucken, was die anderen Kinder machen" oder "Erzieherin XY ist jetzt für dich da", werden dein Kind nicht ermutigen, sondern ängstigen.
Dein Kind braucht Zeit und muss sein eigenes Tempo bestimmen dürfen! 
Durch deine Anwesenheit kann sich dein Kind in Ruhe mit der Eingewöhnungserzieherin vertraut machen. Zu ihr wird dein Kind in kurzer Zeit eine Beziehung aufbauen und das gelingt umso leichter, wenn dein Kind sieht, dass auch ihr eine gute Beziehung zueinander habt. Vielleicht tauscht ihr euch im Gruppenraum bei einem Tee oder Kaffee über eure Erwartungen an die nächsten Tage aus. Je entspannter du bist, desto enspannter wird auch dein Kind sein.

Auch wenn es dir vielleicht komisch vorkommt: In den ersten Tagen genügt es vollkommen, wenn du mit deinem Kind für ein oder zwei Stunden den Kindergarten besuchst!
Vielleicht denkst du jetzt: "Aber, je mehr Zeit mein Kind in der Kita verbringen könnte, desto schneller würde es Fortschritte in der Eingewöhnung erzielen."
Tatsächlich ist es aber genau anders herum.
Dein Kind muss sich nun an eine Menge Neues gewöhnen:
  • die Räume 
  • die Kinder 
  • die Erzieherin 
  • die Tagesabläufe
Zudem ist dein Kind vielleicht auch nicht an so viel Trubel und Lautstärke gewöhnt. Das heißt, auf dein Kind prasseln eine Vielzahl an Reize ein und die zu verarbeiten, ist anstrengend und macht müde. 
Besonders in den ersten Tagen der Eingewöhnung sollte dein Kind nicht zu lange in der Kita bleiben, damit es möglichst mit einem guten Gefühl wieder nach Hause gehen kann. Zu bleiben, bis dein Kind erschöpft und müde ist oder gar weint, hätte nur zur Folge, dass es am nächsten Tag schon mit einem negativen Gefühl in die Kita kommen wird. 
Und das wollen wir nicht. Besser ihr geht, wenn es gerade schön ist, denn das ist der letzte Eindruck, den dein Kind von der Kita mit nach Hause nehmen wird und wovon es hoffentlich morgen mehr möchte. 😉
Die Erzieherin wird mit dir im Voraus abstimmen, zu welcher Uhrzeit ihr am besten morgens in die Gruppe kommen könnt. Hier wird die Erzieherin idealerweise eine Zeit wählen, in der es nicht zu turbulent zugeht und eine ruhige, entspannte Stimmung im Kindergarten herrscht. 
Diese Zeit sollte für die Eingewöhnung am besten beibehalten und nur nach hinten hin verlängert werden. Denn es ist leichter für dein Kind, wenn es immer auf die gleiche Situation trifft! 


Deine Rolle als Bezugsperson


Lass deinem Kind in der Eingewöhnung Zeit. Wenn es sich nach seinem Tempo in der Kita einleben darf, wird es schnell Fortschritte in der Eingewöhnung machen.
Wenn es soweit ist, wird dein Kind
ganz von selbst die Spielangebote
der Erzieherin annehmen
.
Du setzt dich am besten so in den Gruppenraum, dass du dein Kind beobachten kannst und noch viel wichtiger, dass dein Kind immer den Blickkontakt zu dir herstellen kann. Wenn dein Kind dir etwas zeigen möchte oder deine Nähe sucht, dann bist du natürlich offen und Ansprechpartnerin für dein Kind, ansonsten solltest du dich aber eher passiv verhalten. 
Mach zum Beispiel keine Spielangebote, denn dein Kind soll offen für die neue Umgebung sein können. 
Wenn am Ende des Kitatages nur du mit deinem Kind in der Kita gespielt hast, ist das nicht wirklich zielführend.
Dein Kind kann unterschiedliches Verhalten zeigen. Es kann neugierig die Räume erkunden, das Geschehene von eurem Schoß aus beobachten oder dich auffordern, mit ihm zusammen etwas anzusehen. Egal, wie dein Kind sich verhält: es ist ok! Dräng dein Kind zu keinem bestimmten Verhalten und lass ihm Zeit.
Je mehr Zeit dein Kind am Anfang der Eingewöhnung bekommt, desto weniger Zeit wird die Eingewöhnung insgesamt dauern, weil dein Kind schneller Vertrauen fassen und so Fortschritte machen kann.


Die erste Trennung

Die Beziehung deines Kindes zur Eingewöhnungserzieherin ist Grundlage dafür, dass sich dein Kind im Kindergarten sicher und heimisch fühlen und bald auf deine Anwesenheit verzichten kann. Deshalb erfolgt eine erste Trennung von dir auch erst, wenn dein Kind und die Erzieherin sich eine gute Basis geschaffen haben.
In den ersten Tagen wird die Bezugserzieherin behutsam versuchen, Kontakt zu deinem Kind aufzunehmen, sie wird ihm Spielangebote unterbreiten, es einladen bei bestimmten Tätigkeiten zu helfen und mit ihm ins Gespräch kommen.
Sie wird so kontinuierlich eine Bindung zu deinem Kind aufbauen. 
Während der ersten Tage erfolgt kein Trennungsversuch, selbst wenn du den Raum verlässt, z.B. um auf die Toilette zu gehen, sagst du deinem Kind bescheid und gibst ihm die Möglichkeit, dich zu begleiten, wenn es mag. Auf keinen Fall soll dein Kind verunsichert, werden, weil es dich plötzlich nicht mehr finden kann.
Der erste Trennungsversuch erfolgt meistens, nachdem ihr drei Tage hintereinander die Kita besucht habt - sprich am vierten Tag. Verabschiede dich von deinem Kind mit einem kurzen Ritual, welches die nächsten Tage immer gleich bleibt. Zum Beispiel, noch ein Kuss bevor du gehst oder high five oder was ihr sonst gerne mögt. 
Achte jedoch darauf, die Abschiedssituation kurz zu halten. 
Wenn der Abschied zu lange hinausgezögert wird, wird die Situation zu sehr mit Bedeutung aufgeladen und dein Kind kann das Gefühl bekommen, dass jetzt gleich etwas sehr Schlimmes passieren wird. Sei am besten so unaufgeregt wie möglich und verabschiede dich kurz
Beim ersten Trennungsversuch verlässt du üblicherweise noch nicht die Kita, sondern hältst dich in einem anderen Raum auf, damit dich die Erzieherin schnellstmöglich holen kann, falls es deinem Kind mit der Trennung nicht gut geht, es z.B. weint und nicht von der Erzieherin beruhigt werden kann.
Je nachdem, wie dein Kind auf die Trennung reagiert, wird der weitere Verlauf der Eingewöhnung gestaltet.

  • Die Trennung war für dein Kind kein Problem: dann kannst du auch in den kommenden Tagen die Kita verlassen. Die Zeit der Trennung wird jetzt, in Absprache mit der Erzieherin, immer weiter ausgedehnt.
  • Die Trennung war sehr schwer für dein Kind: dann wird am nächsten Tag keine Trennung stattfinden. Du begleitest dein Kind die nächsten Tage in der Kita und bist sein sicherer Hafen. Die Erzieherin wird weiter in Beziehungsarbeit mit deinem Kind gehen und mit dir gemeinsam schauen, wann ein weiterer Trennungsversuch sinnvoll wäre.






Die ersten Tage allein in der Kita

Auch wenn dein Kind bereits seit ein paar Tagen ohne dich im Kindergarten bleiben kann, heißt dass nicht, dass die Eingewöhnung komplett abgeschlossen ist.
Sei also nicht verunsichert, wenn
  • dein Kind in der Kita nicht essen möchte: So geht es vielen Kindern in der ersten Zeit. Das hängt damit zusammen, dass dies eine Situation ist, in der alle Kinder zusammen sind und sich die Kindergruppe nicht so "verlaufen" kann. Es gibt also sehr viele Eindrücke für dein Kind. Und Herausforderungen, die vielleicht neu sind: Essen selbst auftun, Schüsseln weiter schieben....ect. Es passiert viel und es gibt viel zu sehen - und schwupps ist die Essenzeit auch schon wieder vorbei. Oft sind Kinder so mit beobachten beschäftigt, dass sie das Essen schlicht vergessen.
  • dein Kind schlechter schläft: Das ist nicht zwangsläufig ein Zeichen, dass es deinem Kind nicht gut geht. Dein Kind hat viel zu verarbeiten, schließlich hat ein ganz neuer Lebensabschnitt begonnen. Das verarbeitet dein Kind im Schlaf und lässt es unter Umständen für eine Weile auch schlechter schlafen.
  • dein Kind plötzlich anfängt zu weinen, wenn du es abholst, die Erzieherin dir aber berichtet, der Tag wäre ok gewesen: Auch wenn dein Kind jetzt schon allein in der Kita bleibt: sich richtig daran zu gewöhnen, dass es jeden Tag in die Kita kommen wird und sich gut einzuleben, dafür braucht es Zeit. Wenn dein Kind beim Abholen plötzlich anfängt zu weinen, zeigt es, dass es in der Kita sehr angespannt war. Diese Anspannung löst sich jetzt, in deinen Armen. Es war also anstrengend für dein Kind, macht heute am besten etwas Ruhiges und Entspanntes am Nachmittag.
Anfangs sollte dein Kind den Kindergarten nur halbtags besuchen, da die Eindrücke und Erlebnisse vom Kindergarten für dein Kind anstrengend sind, und es Zeit braucht um sich davon zu "erholen".

Übrigens: Immer wenn du nach der Trennung zurück in die Kita kommst, ist dein Kind "abgeholt" und ihr geht gemeinsam nach Hause. Komm also nicht noch einmal zum Spielen mit in die Gruppenräume, denn das kann dein Kind sehr verwirren.
Eine klare Struktur hilft deinem Kind. 
Du bringst es morgens in die Kita. 
Du gehst.
Du kommst wieder und ihr geht nach Hause.
Diese klare Linie gibt deinem Kind Sicherheit, denn es kann so genau einschätzen, was als nächstes passieren wird.


Was ist noch wichtig?


  • du solltest immer telefonisch erreichbar sein, falls dein Kind unerwartet abgeholt werden muss.
  • plan ausreichend Zeit für die Eingewöhnung ein! Die Anspannung unter Zeitdruck zu stehen kann eine Eingewöhnungszeit sogar noch unnötig verlängern. 
  • Die Dauer der Eingewöhnung kann sich auch durch Erkrankung deines Kindes verlängern. Das Immunsystem deines Kindes wird in der Kita mit einer Vielzahl von Keimen konfrontiert. Viele Kinder erkranken gerade am Anfang der Kitazeit deshalb recht häufig.
  • Vor der Eingewöhnung kannst du versuchen, die Schlaf- und Essenszeiten deines Kindes sanft an denen des Kindergartens anzupassen. 
  • Die Eingewöhnung sollte möglichst nicht mit anderen großen Veränderung zusammen stattfinden z.B. Umzug oder die Geburt eines Geschwisterkindes. 
  • Falls dein Kind besondere Schwierigkeiten hat, sich von einem Elternteile zu trennen, könnte es sinnvoll sein, dass das andere Elternteil die Eingewöhnung begleitet. 
  • Bringt deinem Kind einen vertrauten und geliebten Gegenstand von zu Hause mit. Es hilft deinem Kind, wenn es etwas im Kindergarten hat, was es kennt und mag.


Viel Erfolg bei der Eingewöhnung!



Grundlage für meine Empfehlungen ist das Berliner Eingewöhnungsmodell.


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Kommentare:

  1. Super! Ich habe vor kurzem einen ganz ähnlichen Beitrag verfasst. Schau gern mal rein:
    https://fulltime-mami.blogspot.de/2017/11/kita-eingewohnung-nach-dem-berliner.html?m=0

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