Freitag, 30. September 2016

Was die Kaffeetasse über die Arbeit der Erzieherin aussagt


Die Assoziationen, die viele Eltern mit diesem Bild verbinden, ist alles andere als positiv.
Illustration von Nele (10)

Morgen ist internationaler Tag des Kaffees und da Kaffee im Leben von Eltern und auch von vielen Erziehern/Erzieherinnen eine große Rolle spielt, nehme ich diesen Tag zum Anlass und wage mal ein Gedankenspiel.
Kann es sein, dass die Kaffeetasse in der Hand der Erzieherin, anders, als ausschließlich negativ, gewertet werden kann?
Kann es sein, dass die Tasse kein Indiz dafür ist, dass die Erzieherin desinteressiert an den Kindern ist? Das sie nicht bedeutet, hier macht sich jemand einen schönen, faulen Tag?

Ich glaube, man kann die Tasse anders werten und in meinem Gedankenspiel geht das so:





Was sagt die Kaffeetasse über die Arbeit der Erzieherin aus?


Eine Tasse ist eine Tasse und ein uninteressierter Mensch ist ein uninteressierter Mensch. Wenn dieser Mensch keine Lust, keine Motivation hat, sich mit den Kindern, die ihn umgeben, zu beschäftigen, wäre seine Aufmerksamkeit, seine Empathie oder was immer es gerade braucht, nicht größer, wenn er diese Tasse nicht in der Hand hielte.
Die Tasse spielt keine Rolle.
Und jetzt verrate ich dir etwas: in meiner Zeit als Erzieherin habe auch ich die ein oder andere Tasse Kaffee in der Arbeitszeit getrunken. Mehr noch es war kein einfacher Kaffee, es war Latte Macchiato mit 1A geschäumter Milch.
Wir ErzieherInnen haben uns alles besorgt, was es dazu braucht. Den Bialetti Espressokocher, den Milchschäumer und klar, richtig guten Espresso.
Und denk dir, es hat den Kindern nicht geschadet. Im Gegenteil. Was war das eine Gaudi für die Kinder, wenn sie, auf dem Stuhl stehend, die Milch schäumen durften, wenn sie gewartet haben, bis der Espressokocher „röchelt“ und somit „fertig“ war.



Die Kinder mit einbeziehen und sie teilhaben lassen


Der Café Besuch gehört zur Lebensrealität von vielen Kindern.Als wir den Latte Macchiato, auf Grund des fehlenden Equipments, noch nicht selbst in der Kita zubereiten konnten, herrschten gar noch schlimmere Zustände.
Stell dir vor: Die Vorschulkinder (warum ich diesen Begriff eigentlich nicht mag, schreibe ich mal an anderer Stelle) und ich, suchten das ein oder andere Mal zusammen die örtliche Kaffeedealerin in ihrem Lädchen auf.
Da es im Zusammenleben nicht nur darauf ankommt, dass es den Kindern gut geht, sondern auch den Erwachsenen und da es in Erziehung vor allem um Authentizität geht, habe ich den Kinder natürlich erzählt, wenn es mir einmal nicht gut ging.
Wenn ich traurig war, krank, oder eben müde. 

Manchmal, besonders wenn ich den Frühdienst übernommen hatte, war ich einfach totmüde. „Mir hilft es, wenn ich einen Kaffee trinken kann. Gehen wir auf dem Weg zum Spielplatz kurz noch in das Café und kaufen einen Kaffee für mich?“
Kinder freuen sich immer wie Bolle, wenn sie etwas für uns Erwachsene tun können.
Also, gesagt getan.



Lebensräume erkunden und Fragen auf den Grund gehen, dass kann man mit Kindern immer und überall


Im Café stellten sich dann mehre Fragen: Wer möchte bestellen? Könnt ihr das Geld abzählen? Stimmt das Wechselgeld?
Schwierige Aufgaben, aber zusammen waren sie lösbar.
Dann die schwierigste Aufgabe:
„Britta, können wir die Kekse da kaufen?“ Es sind 4 Kekse, aber 7 Kinder.
Aber, die Kinder hatten auch diesmal die Lösung: Wir können teilen! 7 durch 4 teilen. Wie macht man das? Vielleicht am Besten erst einmal jeden Keks in zwei Teile brechen?
Und tatsächlich, jedes Kind bekommt eine Hälfte. Es bleibt jedoch auch eine Hälfte übrig....
„Die bekommt Britta!“ Problem gelöst.
Die Kinder hatten hier richtig Spaß und sie kamen auf immer neue Fragen. Der Kaffee meiner Mama sieht anders aus. Warum?
Wie interessiert die Kinder wissen wollten wo die Unterschiede zwischen Cappuccino, Latte Macchiato und Milchkaffee liegen.
Wissen sie jetzt! Und warum auch nicht? Ist es nicht die Lebensrealität der Kinder, dass wir Erwachsenen immer und überall Kaffee trinken?
Zu Hause sowieso, aber auch „to go“?
Warum sollten wir sie also nicht mit einbeziehen?




Lernen kann Spaß machen und sich ganz nebenbei vollziehen


Die Kinder freuten sich und waren wahnsinnig stolz auf ihr Wissen und am Ende stießen wir auf dem Spielplatz an. Ich mit Kaffee und sie mit Tee.
Der Kaffee in meiner Hand hat den Kindern nicht geschadet, war nicht Ausdruck meiner Teilnahmslosigkeit. Im Gegenteil!
Die Kinder haben ihr Lebensumfeld erkundet, mathematische Grunderfahrungen gesammelt und wurden in ihrer Selbständigkeit und Selbstsicherheit gefördert, schließlich haben sie allein bestellt und bezahlt!
Sie haben ihr Gruppengefühl gestärkt und gemeinsam nach Lösungen gesucht.
Und ich? Was habe ich gemacht? Ganz nebenbei habe ich mit den Kindern Vorschularbeit gemacht.
Ohne Arbeitsblätter und Vorlagen (warum ich die ebenfalls nicht mag, erzähle ich mal in einem anderen Text).



Woran erkennen wir gute pädagogische Arbeit wirklich?

Ich bin mit meinem Gedankenspiel durch und komme zu folgender Erkenntnis:
Es kommt auf den Menschen an, auf seine innere Einstellung zum Leben, seinen Umgang mit anderen Menschen und darauf, wie ernst er seinen Erziehungsauftrag nimmt.
Der Kaffee macht es nicht schlechter, aber besser auch nicht.
So gut ein Kaffee auch tun kann, zaubern kann er nicht. Das weiß ich sicher.
Aber manchmal hilft er.





Hat dir der Beitrag gefallen? 
Dann folge mir auf Facebook

Hier kannst du mehr über meine Elternberatung erfahren.
Fragen und Kommentare kannst du jederzeit hier los werden.



Mehr von mir findest du hier:




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen