Mittwoch, 7. September 2016

Das Schönheitsideal, das ich meiner Tochter vorleben will oder Warum die grauen Haare bleiben




Meine Friseurin erzählt mir jedes Mal, dass es wirklich sehr gute Naturfarbe gibt, mit der ich ruck zuck meine grauen Haare los werden könnte.
Will ich aber nicht, denn meine subtile Botschaft an meine Tochter ist eine andere.



Auch wir Erwachsenen leben unseren Kindern Schönheitsideale vor und sollten uns dessen bewusst sein.
Illustriert von Nele (10)
Oh doch, ich bin eitel und nein, grau ist wirklich nicht meine neue Lieblingsfarbe. Ich schaue oft in den Spiegel und finde das Bild, das sich mir bietet befremdlich.
Denn so cool bin auch ich nicht.
Die grauen Haare lassen mich anders aussehen und mich daran zu gewöhnen, naja...einfach ist anders. Denn auch ich bin schließlich aufgewachsen, mit einer Reihe von Schönheitsidealen, von denen klar war, dass es sie zu erfüllen gilt.

Und von diesen Idealen hatte keines auch nur entfernt etwas mit dem Prozess des Älter werdens zu tun.
Ich gebe zu, sie überraschten mich jetzt nicht über Nacht, die grauen Haare. Ich hätte Zeit gehabt, mich daran zu gewöhnen, denn sie sind schon länger da. Haben sich schon vor Jahren sacht angekündigt, aber bisher dürften sie nicht bleiben.
Ich wollte sie nicht, auf gar keinen Fall. Ich kann doch nicht mit Anfang 30 schon so alt aussehen!


"Was ist schön und wer bestimmt das überhaupt?"


Kinder stellen schlaue Fragen und wenn man ganz genau zuhört und mit ihnen zusammen Antworten sucht, kann man mitunter viel erfahren.
Auch über sich selbst.

Warum stören diese grauen Haare so sehr? Und wenn stören sie überhaupt? 
Ganz ehrlich, mich eigentlich nicht! Und deshalb dürfen sie seit einer ganzen Weile bleiben, so ungewohnt es anfänglich auch war.
Denn ich möchte eigentlich etwas ganz anderes, als alle vier Wochen meine Haare färben! Ich möchte gerne Ich sein und sehen, wie ich mich verändere. Ich möchte mich wohl und zufrieden mit mir fühlen und nicht versuchen Ideale zu erfüllen, die nicht meine sind.
Vor allem aber möchte ich auch nicht Teil daran haben, Kindern diese absurden Vorstellungen von Schönheit in den Kopf zu pflanzen.
Ich habe nicht nur beruflich viel mit Kindern zu tun, sondern bin auch Mutter einer Tochter, die langsam aber sicher in die Pubertät kommt.


Ich habe also eine gewisse Vorbildrolle und möchte bewusst ein Schönheitsideal vorleben, das anders ist.


Ich möchte nicht vorleben, dass Altern etwas schreckliches ist und dass man die Spuren des Alters auf gar keinen Fall sehen darf.
Dass man mit 40 aussehen muss wie mit 20. Ich möchte meiner Tochter vorleben, dass Schönheit viele Gesichter hat und unabhängig ist von Alter.
Und ich möchte vorleben, dass keine Falte, kein graues Haar oder Altersfleck (ja, die werden auch noch kommen) meine wahre Schönheit beeinflussen kann.
Denn die wird nicht geprägt von glatter Haut, sonder von meinem Humor, meiner Art und Weise durchs Leben zu gehen und von meiner Neugier.
Und ich bin neugierig.
Auch aufs Altern!

Und wie gehst du mit dem älter werden um?






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