Freitag, 16. September 2016

Gedanken zum Attachment Parenting



britta menter, souverän erziehen und begleiten, online erziehungsberatung, online elternberatung, attechment parenting, eltern-kind-beziehung, eltern-kindbeziehung stärken, bindungsorientierte erziehung, selbstbestimmtes kind, grenzen setzenIch horche auf, wenn mir Eltern erzählen, sie erzögen bedürfnisorientiert. Schlucke, wenn ich Attachment Parenting höre. 
Nicht, dass das grundsätzlich nicht eine super Sache wäre, mehr noch, ich denke, dass sogar die meisten Eltern bedürfnisorientiert erziehen – unwissentlich.

Wollen nicht alle Eltern eine sichere Eltern-Kind-Bindung aufbauen?




Wollen wir nicht ganz natürlich und instinktiv den Bedürfnissen unserer Kinder gerecht werden?
Wer ignoriert denn vorsetzlich z.B., wenn die Kinder Hunger haben oder verweigert ihnen Nähe, wenn sie diese brauchen?
Wer will nicht, dass die Kinder alles bekommen, damit sie gesund und glücklich aufwachsen können?
Ich kenne da niemanden.
Und das ist der Grund, warum ich aufhorche.
Denn, wenn Eltern mir ausführlich vom Attachment Parenting erzählen, dann habe ich es oft mit Menschen zu tun, die zwar jede Menge zum Thema gelesen, aber den Kern des ganzen nicht verstanden haben.
Menschen, die nicht zwischen Bedürfnis und Wunsch der Kinder unterscheiden können. Mit Eltern, die ängstlich und unsicher sind, im Umgang mit ihren Kindern.
Immer in der Sorge, ein „Nein“ ihrerseits könnte einen bleibenden Schaden in der Elter-Kind-Beziehung hinterlassen.



Grenzen setzen?


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Um Gottes willen, das schränkt die Kinder ein. Sie sollen sich schließlich ausprobieren können. Selbst dann, wenn sie die Grenzen anderer überschreiten.
Konsequenzen?
Der Tod jeder sicheren Eltern-Kind-Beziehung!

Die Eltern räumen jede Unbequemlichkeit, jede Hürde für ihre Kinder aus dem Weg. 
Für ihre Kinder gibt es kein „muss“, nur ein „kann“.
Hast du schon einmal versucht, Kinder von Eltern, die vermeintlich bedürfnisorientiert erziehen, in der Kita einzugewöhnen?
Ich schon.
Da kann es schon mal vorkommen, dass man morgens einen Anruf bekommt: „J. hat sich entschieden, heute nicht in die Kita zu kommen.“ 
Natürlich ist hier der 2 jährige gemeint, der sich entschieden hat, nicht etwa die Eltern.
Die Eltern führen nur noch aus.
Hier müssen dürfen die Kleinkinder die Situation überblicken und einschätzen. Sie müssen jederzeit ihre Bedürfnisse einschätzen und natürlich auch kommunizieren können. (Sag mir doch, warum du weinst!)
Abgesehen davon, dass es bedeutet, dass die Kinder permanent überfordert werden, ist es auch absolut unfair, den Kindern vorzutäuschen, man könnte immer und an jeder Stelle allen Unannehmlichkeiten des Lebens aus dem Weg gehen.






Im Kindergarten, spätestens in der Schule, müssen Kinder auch mal etwas machen, wenn sie keine Lust dazu haben


Und das ist vollkommen in Ordnung, denn das ist unsere Lebensrealität. In der Realität muss man ständig Sachen machen, auf die man keine Lust hat.
Schön also, wenn man das im geschützten Rahmen der Familie vorher üben kann!



Was mir außerdem bei Attachment Parenting Eltern oftmals auffällt, ist der Umgang mit den eigenen Bedürfnissen


Die werden nicht nur hinten angestellt, nein, es gibt gar keine eigenen Bedürfnisse mehr.
Sie geben alles für die Kinder. Alles wird möglich gemacht, sei es noch so erschöpfend und anstrengend. Hauptsache, das Kind und sein Bedürfnis wird immer geachtet.
Und wenn das eigene Bedürfnis im Konflikt steht mit dem Bedürfnis des Kindes? Wessen Bedürfnis ist mehr wert? Soll man weiter im Familienbett schlafen, auch wenn man selbst so gar nicht gut in den Schlaf findet?
Gibt es kein „Ich“ mehr, nur noch das „Wir“?
Ist es das, was wir unseren Kinder vorleben wollen, dass lieben bedeutet, dass man sich aufopfert?
Dass der andere Mensch und sein Bedürfnis mehr zählt, als man selbst. Dass man den Selbstwert daraus zieht, wie glücklich man einen anderen Menschen macht?


Ist das, das Verständnis von Liebe, das wir unseren Kindern vorleben wollen?
Und wenn ja, wie gesund können die Beziehungen sein, die die Kinder, wenn sie Erwachsen sind, eingehen werden?


Und was hältst du vom Attachment Parenting?





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Kommentare:

  1. Liebe Britta,

    ein sehr schöner Artikel, mit einem Thema, über das ich auch schon öfter nachgedacht habe und worauf ich auch ein Stück weit in meinem Artikel aufmerksam machen wollte :-) Das Thema spiegelt sich in so vielen Lebensbereichen der Kinder wieder, zu einem davon wird es auch von mir noch einen Post geben. Ich finde es toll, dass Du darauf aufmerksam machst, dass sich immer alle Familienmitglieder mit einer Entscheidung wohlfühlen sollten und das es für die Kinder auch durchaus Nachteile haben kann, wenn die Eltern nicht mehr "Eltern" sind und die Rollen vertauscht werden!

    Liebe Grüße
    Lotti

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  2. Hallo Lotti,
    danke, für dein Feedback! Und ich freue mich sehr, dass es so positiv ist. Ich hab eher damit gerechnet, dass es bei diesem Thema jetzt auf die Mütze gibt ;-)
    Ich freue mich auf deinen geplanten Post zum Thema.
    Liebe Grüße,
    Britta

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  3. Ich "praktiziere" nicht AP, finde aber vieles gut was diese Eltern machen. Du sagst, keine Eltern ignorieren vorsätzlich die Bedürfnisse ihrer Kinder. Mag sein. Wahrscheinlich ignorieren andere Eltern auch nicht vorsätzlich ihre eigenen Bedürfnisse. Das Gefühl dafür, wessen Bedürfnisse/Wünsche man eher hinten an stellt, ist verschieden von Eltern zu Eltern. Ich denke die Kinder leiden gleich viel, ob ihre Bedürfnisse nicht erfüllt werden, oder ob sie zu sehr betüddelt werden. Ich kann mir vorstellen, dass es Erzieherinnen schwerer haben mit Kindern, die gewöhnt sind dass ihre Eltern (zu oft?) für sie da sind und auf sie eingehen. Aber es nicht mein Ziel, mein Kind so zu erziehen dass es im Kindergarten leichter zu händeln ist. Im Kindergarten sind mehr Leute, auf die eingegangen werden muss und die Erzieherinnen achten vielleicht anders auf sich als die Muttis. Ich denke schon dass Kinder in der Lage sind damit zurechtzukommen. Aber sie kommen sicher um so besser damit zurecht, je weniger die Erzieherinnen über ihre Eltern die Nase rümpfen. Zum Schlaf - Ob man schlechter schläft, wenn das Kind im Familienbett mal eine unruhige Nacht verbringt, oder wenn man mehrmals ins Kinderzimmer rüberlaufen muss um mit dem Kind auszudiskutieren dass es dort alleine bleiben soll, ist auch eine interessante Frage. Ich denke jedes Familienmodell hat seine anstrengenden und seine einfacheren Seiten und Zeiten. Und ganz ohne Grenzen wächst glaube ich auch kein Kind auf. Nur dass diese Grenzen in verschiedenen Bereichen unterschiedlich "eng" gesetzt werden. Eben je nach Bedürfnissen der Eltern.

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    1. Nein, natürlich ist es nicht die Aufgabe der Eltern ihre Kinder so zu erziehen, dass es die ErzieherInnen leichter haben. Davon habe ich auch gar nicht gesprochen, sondern darüber, was den Kindern und ihren Eltern, aus meiner Sicht, gut tut und was eben nicht.
      Ich rümpfe auch nicht die Nase, im Gegenteil. Ich arbeite ja mit Familien, mit Eltern zusammen, nicht gegen sie.
      Dazu gehört aber auch, eine Meinung zu haben, sie fachlich begründen und auch vertreten zu können.
      Das Familienbett finde ich übrigens nicht besser oder schlechter, als andere Schlafsituationen. Es kann absolut toll sein. Wenn man sich aber für eine andere Variante entscheidet - auch ok.

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  4. Hallo Britta,
    ich bin kürzlich erst auf deine Seite gestoßen und finde deine Ansätze
    total gut und wertvoll. Dieser Artikel spricht mir auch komplett aus der
    Seele, spricht er doch zwei wichtige Dinge an, mit denen ich mich seit
    meiner eigenen Mutterschaft auch schon viel auseinander gesetzt habe:
    1. Wessen Bedürfnisse haben welchen Stellenwert? (oder auch: welche
    Bedürfnisse GIBT es überhaupt?)
    und 2. Wieviel Entscheidungsfreiheit tut einem Kind gut bzw. ab wann
    überfordere ich mein Kind bloß?
    Ich habe dazu schon selbst ein paar Gedanken gebloggt, aber dein Text
    hat mich wieder neu inspiriert, etwas genauer hinzuhorchen und auszuloten.
    Ich lasse mal die Links zu meinen ausführlicheren Gedanken hier, wenn
    das ok ist:
    http://bluebottles.net/2016/06/06/elterliche-beduerfnisse/
    http://bluebottles.net/2016/01/29/die-qual-der-wahl/
    http://bluebottles.net/2016/04/25/das-beduerfnis-nach-rhythmus/
    Ich werde sicher weiter hier rumstöbern, denn ich finde meine Werte und
    Vorstellungen in vielem wieder, was du hier schreibst.
    Viel Freude bei der Arbeit und eine schöne Adventszeit wünsche ich dir.
    Herzlich
    Jitka

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