Freitag, 22. Juli 2016

Beziehung statt Erziehung?



Ist Erziehung manipulierend und engt Kinder ein?
Erziehung vs. Beziehung

Ein spannendes, interessantes und auch bei mir in der Erziehungsberatung (Ja, ERZIEHUNGSberatung 😉) ein immer wieder vorkommendes Thema.
Ich persönlich finde nicht, dass Erziehung Beziehung ausschließt oder umgekehrt. Vielmehr finde ich, dass beides sich bedingt.






Erziehung bedeutet für mich, dass du deinem Kind einen Rahmen gibst,


innerhalb dessen es sich frei entwickeln und sich erproben kann. 

Erziehung bedeutet, dein Kind vor Überforderung zu schützen, da es nicht wie ein Erwachsener alles überblicken kann und auch nicht muss.
Doch genau das sehe ich leider so oft in meiner Tätigkeit als Online - Elternberaterin und auch in meiner 12 Jährigen Arbeit als Pädagogin: überforderte Kleinkinder, ohne Rahmen, die alles alleine entscheiden sollen (ich schreibe hier absichtlich „sollen“ und nicht „dürfen“!)

Eltern, die ihre 2 Jährigen fragen: „Wie lange möchtest du denn heute in der Kita bleiben? Sollen dich Mama und Papa abholen, oder nur Mama.“. Eltern, die ihr übermüdetes, schreiendes Kleinkind auffordern „Sag mir doch, was du möchtest“, statt es einfach ins Bett zu bringen.


Ich sehe kleine Kinder, die überfordert und verzweifelt sind,


weil sie nicht wissen, was sie tun sollen, wenn doch einmal ein Erwachsener mit einer Forderung an sie heran tritt.
Weil genau das sonst nie vorkommt. Weil sie nie etwas machen müssen, dass sie nicht machen wollen.
Aber so ist die Welt nicht. Auch du hast Forderungen an dein Kind, so wie es in jeder Art von Beziehungen Anforderungen gibt, die das gemeinsame Leben mit sich bringt. So funktioniert Gemeinschaft.



 



Warum wird Erziehung oft gleichgesetzt mit Verboten, Einschränkungen, mit klein halten der Kinder und dem Missachten ihrer Bedürfnisse?


Erziehung ist meines Erachtens nicht einschränkend, grausam und manipulierend.
Es ist authentisch, liebevoll und bedürfnisorientiert, es bereitet dein Kind auf die Welt vor, in der wir leben und es ist wahrer Beziehungsaufbau.
Es ist ein Ernstnehmen deiner Verantwortung und es ist mutig, weil du dich durch Erziehung wesentlich öfter in die Situation bringst, in der dein Kind dich blöd findet, obwohl du von ihm geliebt werden willst.
Aber es signalisiert auch, „Ich gehe mit dir in die Auseinandersetzung. Ich nehme dich ernst.“

Und was könnte ein besseres Signal an dein Kind sein?






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